Fast vier Wochen Stille: Warum Merz’ Sommerpause arrogant wirkt
Von Athena Riegel
03. September 2026, 16:50 Uhr
Drei Wochen im eigenen Haus am Tegernsee. Klingt nach einem Urlaub, zu dem wohl die Wenigsten „Nein“ sagen würden. So sahen die Ferien des Bundeskanzlers aus. Angesichts der Debatten zu Rente, Klima und Lifestyle-Teilzeit wirkt die Länge allerdings fast arrogant.
Während sich Merz in Oberbayern ein paar freie Tage von nahm, brannte Deutschland – im wahrsten Sinne. Das Sommerloch blieb aus und wurde von Schlagzeilen über Rekordniedrigwasser, fast 12.000 Hitzetoten und unvergleichbaren Waldbränden geflutet.
Dazu noch der Drohnenangriff am Flughafen Leipzig und die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der allem Anschein nach die rechtsextreme AfD gewinnen wird. Die dortige CDU soll wohl ganz froh gewesen sein, dass der Kanzler sich nicht blicken ließ.
Kein Wunder bei historisch tiefen Beliebtheitswerten. Kaum erstaunlich, dass aus der Opposition Kritik kommt. Auch die Bevölkerung scheint nicht glücklich. So wurde er bei seinem ersten offiziellen Auftritt in der Eifel von schreienden Demonstrierenden ausgebuht.
Natürlich ist Merz nicht der erste Kanzler, der im Sommer für einige Wochen frei macht. Allerdings mahnte er Anfang des Jahres noch, mit „Work-Life-Balance und Viertagewoche“ lasse sich „der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten“ und „wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“.
Auf der faulen Haut lag Merz nicht: Jeden Morgen soll er ein Update aus dem Kanzleramt bekommen und mit Minister*innen telefoniert haben.
Vielleicht konnte er sich im Ferienhaus überlegen, wie sein nächstes Kanzler-Zeugnis besser ausfällt. Allerdings schickt man Schüler*innen mit mangelhafter Leistung auch nicht in die Ferien, sondern in die Sommerschule.