WTF ist Extremismusprävention in der Schule?
Von Gina Waibel
04. August 2026, 13:00 Uhr
In kurzer Zeit haben zwei junge Menschen schwere Anschläge verübt. Beim Angriff auf eine Schule in Schongau äußerte der Täter Hass auf Muslime, Frauen und andere Minderheiten. Beim Anschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau getötet wurde, richtete sich der Hass gegen queere Menschen; laut Ermittlungen bekannte sich der mutmaßliche Täter zudem zum sogenannten Islamischen Staat (IS). Beide Fälle werfen dieselbe Frage auf: Warum radikalisieren sich junge Menschen?
Viele Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Gefühl auf, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Ihre Sorgen werden überhört, ihre Perspektiven spielen in politischen Debatten oft kaum eine Rolle. Wer sich nicht gesehen oder gehört fühlt, sucht Orientierung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Genau dort setzen extremistische Gruppen an: Sie bieten einfache Antworten auf komplexe Fragen und vermitteln das Gefühl: hier hast du Platz. Hier wirst du verstanden.
Früher war es der Schulhof. Heute geschieht Radikalisierung vor allem über Social Media. Extremistische Akteure nutzen Plattformen und Algorithmen gezielt, während demokratische Gegenangebote oft hinterherhinken.
Umso unverständlicher ist es, dass Medienbildung, Demokratieförderung und Extremismusprävention an Schulen noch immer nicht fest und verbindlich verankert sind. Die Verantwortung wird stattdessen mehrfach dem Elternhaus übertragen, obwohl viele Familien nicht die nötigen Ressourcen dafür haben. Das verstärkt Bildungsungleichheiten.
Deshalb brauchen wir verbindliche Bildungspläne, die Medienkompetenz, Demokratieförderung und Extremismusprävention fest verankern. Lehrkräfte müssen Radikalisierung früh erkennen können, und junge Menschen brauchen mehr demokratische Räume, in denen sie mitreden und sich ernst genommen fühlen. Demokratie schützt sich, indem sie jungen Menschen zuhört.