Wenn Klimapolitik aus Schweigen besteht
Von Carla Reemtsma
01. Juli 2026, 12:30 Uhr
Die Klimakrise kriecht dieser Tage zwischen Vorhängen in unsere Wohnungen und ploppt als Meldung über neue Temperaturextreme auf unserem Handy auf. Wo in vergangenen Sommern noch Bilder von Eiscreme und Freibädern die Berichterstattung dominiert haben, stehen jetzt Nachrichten über abgesagte Sportveranstaltungen, überfüllte Notaufnahmen und eingestellte Bahnlinien.
So grell die Katastrophenmeldungen und Wetterkarten daherkommen, so still bleibt es von Seiten der Politik: Kein Wort des Mitgefühls zu den Angehörigen derjenigen, die aufgrund der Hitze sterben, kein Appell daran, die Feuerwehr nicht unnötig zu belasten, keine Sondersitzung zum Schutz der Bevölkerung.
Diese Stille ist doppelt strategisch: Durch die ausbleibende Reaktion wird das Extremereignis schneller zur vermeintlichen Normalität, indem suggeriert wird, dass es keine besondere Reaktion rechtfertige. Und: So lässt sich ausklammern, dass diese Hitze nicht einfach eine unvermeidbare Laune der Natur ist. Sie ist das Ergebnis einer Politik, die sich immer wieder dem Verbrennen von Kohle, Öl und Gas und den Profiten fossiler Großkonzerne verschrieben hat. Doch genau dies wird verschleiert, wenn die Hitze als Katastrophe ohne Ursache und Verantwortliche präsentiert wird. In dieser Stille kann die Bundesregierung Klimaschutz weiter sabotieren. Klimapolitik im Jahr 2026 muss dafür einen Umgang finden: Menschen akut vor Gefahren schützen – und gleichzeitig die Erneuerbaren ausbauen, klimafreundliche Heizungen einbauen und mehr Busse und Bahnen fahren lassen.